10.12.2012 | Jahresrückblick 2012: „Uns erwarten spannende Zeiten.“

Ing. Hans-Peter Panholzer, MBA - Geschäftsführer für Vertrieb, Marketing und Kommunikation über das Wachstumspotenzial der Zeitarbeit, neue Wege im Recruiting und die Herausforderungen im Jahr 2013.

Die Zeitarbeitsbranche hat im Jahr 2012 einen historischen Höchststand mit rund 78.000* beschäftigten Leiharbeitern in Österreich erreicht und als Wirtschaftsfaktor noch enormes Wachstumspotenzial. Dennoch wurde diese Entwicklung, aber auch die Arbeitslosenstatistik von diversen Medien beinahe wöchentlich unterschiedlich interpretiert. Las man in einer Woche vom großen Facharbeitermangel, durch den sich viele Unternehmen veranlasst sehen, große Expansionsschritte hinaus zu zögern, so war in der Woche darauf die enorm steigende Arbeitslosigkeit das Hauptthema. Als Marktbeobachter kennen wir beide Seiten und können auch beide Aussagen bestätigen. Und man muss auch beide akzeptieren. Jedoch liegt ein wesentliches Problem des Facharbeitermangels in der Konzentration der Firmen auf 'Regionalität'.

Österreichische Gepflogenheiten erschweren die Rekrutierung von ausländischen Fachkräften

Viele große Konzerne und auch Mittelständler sind noch längst nicht vollständig internationalisiert. Die Folge: Es wird häufig Deutsch gesprochen. Und von neuen Mitarbeitern wird erwartet, dass auch sie die deutsche Sprache perfekt beherrschen. Dadurch reduziert sich die Möglichkeit deutlich, eine sehr gute ausländische Fachkraft - beispielsweise aus Ungarn, wo auch die Ausbildung vom österreichischen Gesetzgeber anerkannt wird oder aber auch aus Spanien - zu gewinnen. Eine weitere Barriere ist natürlich auch die Scheu vor etwaigen Zusatzkosten oder administrativem Zusatzaufwand. Wir raten unseren Kunden ganz klar zu einer offeneren Haltung gegenüber ausländischen Fachkräften, mit denen auf kurz oder lang ein enormer Wettbewerbsvorteil erzielt werden kann. TTI unterstützt diese Initiativen und begleitet Kunden und Bewerber auf diesem Weg.

Starke Schwankungen durch Anpassungen an Marktsituation

Natürlich beobachten auch wir einen Anstieg der Arbeitslosigkeit in Österreich. Viele Betriebe haben ihre Aktivitäten an die Marktsituation angepasst - Zeiträume mit hoher Produktivitätsanforderung und jene mit Unterauslastung reihen sich schneller aneinander. Unternehmen müssen auf diese Schwankungen mit adaptiertem Personalstand reagieren. Aufgrund der globalen Wirtschaftskonkurrenz lagern immer mehr Firmen ihre Produktionsschritte in entfernte Niedriglohnländer aus, womit diese Arbeitsplätze in Österreich in den meisten Fällen langfristig verloren gehen.

Wettbewerbsvorteile durch Zeitarbeit

Der Verlauf der vergangenen drei bis vier Wirtschaftsjahre hat aber gezeigt, wie wichtig die Dienstleistung der Personalbereitsteller für die heimische Wirtschaft ist - beginnend bei großen Produktionsanpassungen in den Jahren 2008/2009 bis hin zum enormen Personalaufbau im Jahr 2010, mit der Spitze im Jahr 2011. Hier haben Personaldienstleister wie die TTI eindeutig bewiesen, welche Wettbewerbsvorteile unsere Kunden dadurch lukrieren können.

Gesetzliche Basis für Arbeitskräfteüberlassung

Durch den starken Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte in den vergangenen Jahren, ist auch der Recruitingaufwand immens gestiegen. Unsere Kunden haben mit den Jahren verstanden, wie sie mit unserer Dienstleistung umgehen sollen und müssen. Aufgrund der steigenden Dienstnehmeranzahl in der Zeitarbeitsbranche wurde nun auch europaweit eine gesetzliche Basis dafür geschaffen. Ziel der Novelle zum Arbeitskräfteüberlassungsgesetz (AÜG) soll eine Gleichstellung der auf Zeit eingestellten Mitarbeiter mit den fix Beschäftigten eines Betriebes sein. Leiharbeiter sollen nun auch verstärkt in den Genuss betrieblicher Sozialleistungen kommen.

Gleichstellung der Arbeitnehmer durch AÜG Neu

Grundsätzlich wird diese Novellierung von uns begrüßt, da diese einen wesentlichen Schritt zur Aufwertung der gesellschaftlichen Anerkennung unserer Dienstleistung und unserer Mitarbeiter bedeutet. Jedoch befürchten wir durch die Regulierungen in manchen Bereichen unserer Dienstleistung eine Einschränkung unserer Flexibilität
und eine Steigerung des Administrationsaufwandes - und damit verbunden, auch steigende Kosten.

Mehr Verantwortung für unsere Kunden

Aber auch unsere Kunden werden nun stärker - gerade in Hinsicht auf Diskriminierungsthemen und Informationspflichten - in die Verantwortung genommen. Wobei man festhalten muss, dass ein Großteil unserer verantwortungsbewussten Kunden die gesetzlichen Bestimmungen auch bisher schon gelebt hat, sodass wir hier nur wenig Umstellungsaufwand sehen. Wie sich die neuen Abläufe und Themen jedoch auf die Flexibilität und Kostenstruktur in der Branche niederschlagen werden, ist eine der spannenden Herausforderungen für das Jahr 2013.

Durchwachsener Start, Entspannung im zweiten Halbjahr

Vorausschauend für das erste Halbjahr 2013 sind wir der Meinung, dass sich die Grundproblematik am Arbeitsmarkt nicht gravierend verändern wird. Eventuell gibt es eine leichte Entspannung in der Rekrutierungssituation aufgrund des etwas stagnierenden Wirtschaftswachstums. Hier sind vorausschauende Firmen gefordert, sich rechtzeitig die entsprechenden Fachkräfte zu sichern, da aus heutiger Sicht
und laut Wirtschaftsprognosen im zweiten Halbjahr wieder ein wesentlicher Anstieg des Personalbedarfs abzusehen ist.

Wir erwarten ein Geschäftsjahr, in welchem unsere Flexibilität und Einsatzfreude stark gefordert  sein werden. Und wie es unsere Kunden von TTI gewohnt sind, legen wir auch 2013 besonderes Augenmerk auf Qualität sowie Kostenbewusstsein bei der Leistungserbringung.